Semesterbericht Wintersemester 2006/2007

 

Die Veranstaltungen des vergangenen Semester begannen schon bevor das Semester eigentlich angefangen hatte. Noch während das Semesterprogramm dem natürlichen Reifeprozeß und einer gemeinsamen Planungphase unterworfen war, unternahmen Mitte September einige Aktive eine Fahrt nach Würzburg anlässlich der KV-Ehrenringverleihung an unseren Bundesbruder Sigi Koß.

Der KV-Ehrenring wird vom KV-Rat für besondere Verdienste verliehen und der bis zu diesem Zeitpunkt einzige Träger war Kb Dietrich Kawohl. Als zweiter an der Reihe war nun Sigi Koß, der ihn für seine umfangreichen Verdienste bei der Mitarbeit zur Geschichte des KV, unter anderem bei der Herausgabe des bibliographischen Lexikons des KV, erhielt.
Nach einer kurzweiligen Ehrung mit längeren lateinischen Passagen ließen wir den Abend im Schelmekeller in der Würzburger Innenstadt ausklingen.

Während dieser Zeit fiel auch die Entscheidung - angeregt, finanziell unterstützt und zum Großteil organisiert durch Bb Jost Wunderlich - eine Aktivenfahrt nach Israel zu unternehmen, um sich auf die Spuren der Christen, Juden und Moslems zu begeben. Durch diesen außergewöhnlichen und zeitintensiven Programmpunkt wurde das restliche Programm zwar zeitlich zusammengestaucht aber bei weitem nicht inhaltlich.

Wie üblich fand im Oktober kurz nach Vorlesungsbeginn an der TH der Gartentag statt, an dem diesmal nicht nur gegen Unkraut und Hecke gekämpft wurde sondern auch gegen den Baumstumpf nahe der Terrasse, der seit drei Jahren als Gartentisch gedient hatte. Nun hatte er jedoch seine Schuldigkeit getan. Dank der milden Witterung ist außer einer leichten Mulde im Rasen kein Zeugnis der jahrzehntelangen Anwesenheit des Apfelbaums geblieben.

Ein paar Tage später fand dazu passend und als Fortsetzung des vorigen Semesters wieder eine Exkursion zum Botanischen Garten in Bonn statt. Auch diesmal führte uns der Dipl.-Biol. Jens Hauslage mit viel Kompetenz und Humor durch Gärten und Gewächshäuser. So lernten wir einiges über den Wunderbaum oder auch Rizinus, dessen Samen aussehen wir riesige Zeckenleiber, einen Baum, dessen Früchte nach Erbrochenem riechen und Kakteen, die zwar aussehen wie weiche, flauschige Büsche, jedoch hart und spitz sind und hinterhältig zustechen, wenn man nach ihnen greift.

Ende Oktober fand bereits die nächste große Veranstaltung statt. Der Vorortsübergabekommers wurde im Alten Kurhaus in Aachen gefeiert. Die ausgelassene Stimmung wurde durch eine nüchterne und schwer zu verfolgende Festrede über Brüsseler Verordnungen auf dem Boden gehalten. Einen schönen und feucht-fröhlichen Ausklang fand der Abend anschließend auf dem Wikingerhaus.

 

Nach dem Niederrheinkommers Anfang November, zu dem wir auch wieder eine Chargenabordnung stellten, fand ein Filmabend unter unserem Semesterthema „Gewalt gegen Gewissen“ mit Pater Maximilian statt, an dem wir den international wenig bekannten Film „Der Aufenthalt“ anschauten und nachher in einer gemeinsamen Runde diskutierten und verarbeiteten.

In den folgenden Wochen standen die Exkursion zur Austellung „Top Secret“ im Industrion in Kerkrade und das Vorglühen zur Feuerzangenbowle an. Das Industrion ist als Technikmuseum zwar interessant allerdings eher auf Schulniveau, so dass wir doch etwas unterfordert durch die Räumlichkeiten streiften. Es gab zwar zu fast jedem Ausstellungsstück Audioerklärungen, diese waren allerdings ausschließlich auf Niederländisch obwohl Grundsätzlich Auswahlknöpfe für andere Sprachen vorhanden waren. Auch die Sonderausstellung über Spionagetechnik war recht mager und hatte zumindest meine Erwartungen nicht erfüllt.

Im Dezember nahm sich ein Großteil der Aktivitas offensichtlich eine Auszeit, so dass die meisten eine hervorragende Führung durch den Lernort Vogelsang versäumten. Besonders beeindruckend waren die gewaltigen und größenwahnsinnigen Dimensionen, die dieses Nazi-Monument bereits angenommen hatte und vor allem hätte annehmen sollen. Nach der Rückgabe Ende 2005 der ehemaligen Ordensburg Vogelsang durch die Belgier an die Bundesrepublik, ist das Gelände nun öffentlich zugänglich. Dies wirft sowohl Probleme als auch Chancen auf, da sich es sich einerseits zu einer Pilgerstätte für Neonazis oder andererseits zu einem Mahnmal und einer Erinnerung an einen dunklen Teil deutscher Geschichte entwickeln könnte. Bei der Besichtigung wurde klar wie schwierig es sein wird, dieses riesige Gelände mit den zahlreichen Bauwerken instandzuhalten und einer breiten Öffentlichkeit mit der nötigen Aufklärung zugänglich zu machen.

 

Beim jährlich stattfindenden Exerzitienwochenende im Kloster Steinfeld, das den Abschluss des Semesterthemas hätte bilden sollen, glänzte die Aktivitas durch Abwesenheit. Die Teilnehmer berichteten nachher von einem ruhigen und besinnlichen Wochenende, welches wir verpasst hatten, und welches in Zukunft hoffentlich wieder mehr Zuspruch findet.

Mit neuer Kraft und guten Vorsätzen starteten wir 2007 mit einem unterhaltsamen Neujahrswichteln und den zugehörigen sinnbefreiten Geschenken.

 

Nachdem die letzten Vorbereitungen für die Aktivenfahrt getroffen waren, machten sich am 20.1.2007 8 Aktive, 2 Aktive der Pruthenen, Jost und Pater Maximilian auf die siebentägige Reise nach Jerusalem, wo alle auch – im Gegensatz zu dem beliebten Spiel – wohlbehalten ankommen sollten.
Unsere Basislager waren die ersten drei Tage die „Casa Nova“ Tiberias direkt am Ufer des See Genezareth und die restliche Zeit das „Östereichische Hospiz“ im Herzen der Jerusalemer Altstadt direkt an der Via Dolorosa.
Vor allem die ersten Tagen reisten wir mit einem gecharterten Bus unter der Reiseleitung unseres Bundesbruders Pater Robert Jauch, der als Franziskanermönch in Bethlehem stationiert ist, zu vielen christlich geprägten Heiligtümern und Stätten. Ohne zu sehr in Details zu gehen sahen wir in den ersten Tagen:
 

  • Nazareth (genau, das ist dort wo ER herkommt! - Verkündigungsbasilika, mit wunderschönem Lichtspiel im Innern und die Kapelle der kleinen Brüder Jesu )

  • Akko (Kreuzfahrerstadt, die genau wie Nazareth heute fest in arabischer Hand ist – Johanneskirche, Ahmed-el-Jazzar Moschee)

  • Haifa (Stella Maris und die Bahai Gärten mit der prachtvollen goldenen Kuppel)

  • Old Jaffo in Tel Aviv (arabische Altstadt)

  • Gegend um den See Genezareth (Berg der Seligpreisungen, Brotvermehrungskirche, Kaffarnaum, Taufstätte am Jordan)

Auf dem Weg nach Jerusalem begaben wir uns von der Geschichte, die sich hauptsächlich in der Vergangeheit abspielte, in die Gegenwart und machten einen Abstecher in die älteste Stadt der Welt mitten im Westjordanland, Jericho. Hier begrüßte uns nach einer Fahrt durch eine zwar bewohnte aber unbewohnbare Einöde und durch drei sehr unterschiedlichst ausgestattete Kontrollposten eine Hamasflagge vom Turm eines Minaretts. Nachdem wir bei ein paar Straßenhändlern Nippes und Obst gekauft und uns in einem arabischen „Biergarten“ etwas gestärkt hatten, war die Flagge für uns Touristen eingeholt wurden und wir machten uns endgültig auf den Weg ins weniger als 50 km entfernte Jerusalem. Nach der Passage der israelischen Sicherheitsposten, die für uns kein Hindernis waren, aber für jeden Palästinenser beinah unüberwindlich sind, erreichten wir die beeindruckende tausende Jahre alte Altstadt Jerusalems und unsere Unterkunft. Von hieraus sollten wir in den folgenden Tagen frühmorgens in kleineren Gruppen starten und versuchen wenigstens ein Teil der Geschichte und des Lebens in diesem Schmelztiegel der Kulturen und Religionen aufzunehmen.


Eindruck machten vor allem die dauernde Anwesenheit der Militärpolizei und das pulsierende Leben in den engen, uralten Gassen der Altstadt, während wir von einer zur nächsten Kultstädte mal christlichen, mal jüdischen und mal islamischen Glaubens liefen.
Am Donnerstag fuhren wir mit unserem Bus und irgendwie amüsanten, wenn auch zickigen Busfahrer („No fart in se bus!“) zum Toten Meer, in dem wir natürlich ein salziges Bad nahmen, und zu dem wichtigsten Mahnmal jüdischen Widerstandes gegen die jahrtausende lange Unterdrückung. Massada, eine Festung am Rande des Toten Meeres auf einem einige hundert Meter hohen Felsplateau mitten in der Felswüste, die von über 15.000 Römern 3 Jahre lang belagert wurde. Die Reste der Festung und der römischen Lager sind auch heute, 2000 Jahre später, immer noch ehrfurchteinflößend.
Zurück in Jerusalem besuchten wir noch folgende Orte (o.A.a.V.):

  • Ölberg

  • Tempelberg

  • Felsendom

  • Klagemauer

  • Grabeskirche

  • Erlöserkirche (mit einem wunderbaren Ausblick über die Innenstadt)

  • Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem

  • Stadtviertel Mea Shearim

Freitag Abend wurde es Zeit dem Gerücht der Sabbatruhe auf den Grund zu gehen. Ein Abstecher nach außerhalb der Altstadt zeigte uns, dass wir von den Israelis noch einiges lernen können was Feiern angeht!
Am Morgen der Abreise machten wir noch einen Abstecher nach Bethlehem. Um nach dort zu gelangen zeigt sich Deutschen ein wohlbekanntes Bild: an der Grenze zwischen Bethlehem und Jerusalem haben die Israelis eine gewaltige Betonmauer mit strengsten Sicherheitskontrollen in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft.
In der Geburtskirche erfuhren wir von Pater Robert einiges über die bewegte Geschichte der jüngsten und der fernen Vergangenheit seines Arbeitsplatzes, bevor wir uns schließlich zu dem hermetisch abgeriegelten Flughafen Ben Gourion begaben und nach einer Menge penibelster weiterer Sicherheitskontrollen und auch einiger persönlicher Befragungen (den Spaß durfte ich sowohl beim Hinflug als auch Rückflug mitmachen, wahrscheinlich, da ich ein paar Tage früher alleine angereist war – der Gelegenheit einen Witz in der wahrscheinlich unpassendesten Situation meines Lebens zu machen konnte ich gottseidank widerstehen) wieder nach Aachen zurückkehrten. Nicht unerwähnt bleiben sollten die gemeinsamen Restaurantbesuche in Tiberias und Jerusalem, die lebhaften Suks (Bazare) in den Gassen der Altstadt sowie die Organisation der Unterkünfte, des fahrbaren Untersatzes und der kompetenten Führung durch Pater Robert. Das, wodurch die Fahrt noch denkwürdiger und beeindruckender wurde, ist, dass sich praktisch vor unserer Haustür in Jerusalem eine Woche später Sicherheitskräfte und und Fanatiker aus m.M.n. nichtigen Gründen beschossen und die Köpfe eingeschlagen haben.
Unglaublich wie schnell sich Stimmung und Situationen dort ändern können.

 

Etwas ruhiger aber nicht weniger interessant ging es weiter zum Semesterendspurt und der zweiten Ehrung dieses Halbjahres. Denn Anfang Februar fand die Semesterabschluss- und Ehrungskneipe statt. Unser Bundesbruder Karlhans Kupfersberger wurde mit der neu ins Leben gerufenen Ehrung für besondere Verdienste um unseren Verein ausgezeichnet. Der Stimmung auf der gut-besuchten und feierlichen Kneipe konnte selbst das Fehlen eines Biermusikus nicht schaden, und die Anwesenden Damen, Alten Herren, Aktiven und Gäste machten dies durch umso kräftigeres mitsingen wett. Dass zu dieser Gelegenheit keine Gäste anderer Aachener Verbindungen anwesend waren, lag an den vielen zu dieser Zeit stattfindenden parallelen Veranstaltungen und konnte nicht auf böswilliges fernbleiben zurückgeführt werden.

Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass Eure Meinungen und Anregungen zu vergangenen und zukünftigen Veranstaltungen immer gerne willkommen sind. Außerdem würden wir uns freuen, Euch häufiger und in größerer Anzahl auf dem Haus begrüßen zu dürfen.

Vielen Dank an alle, die geholfen haben das Semesterprogramm auf die Beine zu stellen und erfolgreich durchzuführen!

Vivat, crescat, floreat Grotenburg Lusatia

Felix X (WiSe 2006/2007)